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Pia Bohr, Holzbildhauerin

Inspiriert von den makellosen Bronzeskulpturen des Dadaisten und Surrealisten Hans (Jean) Arp und ihrer Zusammenarbeit mit den deutschen Künstlern Frank Pinkvoss und Michael Schmidtkult, arbeitet die Künstlerin Pia Bohr ausschließlich mit sorgfältig ausgesuchten Hölzern: Olive, Birne, Goldregen, Mandel, Walnuss, Essigbaum, Ulme, Robinie, Eibe, Kirsche und Pflaume.

Pia Bohrs Figuren sind glatt und glänzend und zeigen zumeist weibliche Torsi – manche perspektivisch in den Proportionen gedehnt, manche offenbar versehrt: Schulterblätter, Brüste, Hinterbacken, Hüften. Athletisch, stolz, manche Skulpturen schamlos sich produzierend, manche keusch. Manche sexy, keine pornographisch. Eine innere Geschichte haben sie alle. Sie muss nur mühsam dem Holz abgerungen werden.

Aus welcher Parallelwelt stammen diese Figuren? Handelt es sich um Befreite, die eine strenge, liebende Hand aus ihrem hölzernen Verließ ans Tageslicht geführt hat? Rund und glatt geschliffen, ohne ein Splitterchen, das die Harmonie stören würde, präsentieren sich diese Holzwesen. Wo lebten sie zuvor, wer sind ihre Nächsten? Pia Bohrs mystische Figuren strahlen nicht nur eine ungeheure Körperlichkeit aus; sie erzählen auch von ihrem Herstellungsprozess. Wie viel körperliche Kraft kostet es, einem harten italienischen Olivenholz eine so glatt geschliffene Figur zu entreißen! Die investierte Kraft hat das Holz animiert, belebt.

Immer entschiedener verlässt Pia Bohr mit ihren aktuellen Arbeiten das Klein- und Halbmeterformat ihrer Anfänge. Die jüngsten Figuren, entstanden im Herbst und Winter 2008/2009, zeigen zunehmend massive Körper aus lange gelagertem ligurischem Olivenholz, das Pia Bohr bei einer Olivenbäuerin im Dörfchen Dolcedo entdeckte. Neben Frauenkörpern entstanden auch abstrakte, animalische Fabelwesen. Ihre Spannung und Lebendigkeit beziehen sie aus dem Wechselspiel zwischen Anmut und Eleganz einerseits sowie der darstellerischen Kraft ihrer organischen Formen. Unwillkürlich entsteht der Wunsch des Betrachters, diese gewachsten und geölten Oberflächen zu berühren und den bildhaften Maserungen nachzuspüren.

Pia Bohrs Skulpturen, konzipiert und erstellt seit Anfang des Jahrtausends, sind die konsequente Fortsetzung ihrer künstlerischen Arbeit mit anderen Mitteln: Seit über zwanzig Jahren ist die Bildhauerin unter dem Namen Pia Lund als Kultsängerin der Independent- und Avantgarderock-Szene international bekannt. Pia Bohr lebt und arbeitet im Dortmunder Kreuzviertel und auf Malta.

English version

Pia Bohr, sculptress

Under her alias Pia Lund sculptress Pia Bohr is a renowned avantgarde rock singer in the international independent music scene for more than two decades. She started working with wood in the year 2000 after having been inspired by the flawless harmonious sculptures of surrealist artist Jean Arp.
In her beginnings as a sculptress Pia Bohr visited workshops, worked with German artists Frank Pinkvoss and Michael Schmidtkult and learned the technical complicated and versatile professionel skills of woodcarving.
Pia’s sculptures develop their tension and liveliness from their correlation between grace, elegance – and the dramatic power of their organic forms. Her sculptures mostly show
female bodies as well as abstract, animal-like mythical creatures. The massive bodies from 2008/2009 are mostly made of Italian olive wood that has been stored for a lot of years. For other objects Pia Bohr uses typical German wood, for example cherry, pear, acacia, Essigbaum (staghorn sumac) or Goldregen (laburnum).
Some figures show a perfect harmony, others have got a strange perspective stretching and sometimes are even heavily distorted. Each of these works is the result of an intensive expenditure of energy and a concentration of technical know how. All sculptures seem to have a story of their own inside and the observer feels attracted to the softness of their surface and the radiated power of the material wood.
The artist works in Dortmund, Germany, in a hundred year old workshop in a typical backyard of the German Ruhrgebiet. It has former been a smithy and printery and nowadays also serves as a gallery, room for exhibitions and vernissages, poetry readings, concerts, and is a culinary place for wine tastings as well.